Vor beinahe 20 Jahren wurde ich von meiner homöopathischen Ärztin zur einer Familienaufstellung geschickt mit den Worten: „Das homöopathische Mittel, dass sich bei Ihnen immer wieder ergibt, passt überhaupt nicht zu Ihrer Persönlichkeit. Da gibt es offensichtlich ein Heilungshindernis.“

Da ich mich seit meiner Kindheit häufig gefragt hatte, warum „es“ bei einem gelingt und beim anderen unter scheinbar gleichen Bedingungen nicht, habe ich sofort Ihren Tipp umgesetzt.

Bei meiner ersten eigenen Familienaufstellung war ich sofort in  eindeutiger Zuversicht und in tiefer Dankbarkeit. Ich hatte es ja immer ersehnt, dass Dynamiken in Beziehungssystem gesehen, gewürdigt und erlöst werden können.

Dem Aufsteller, der auch als Lehrer in dieser Methode arbeitet, bin ich jahrelang auf den Fersen geblieben.

Bereits zu Beginn meiner eigenen Aufstellarbeit habe ich mich in mancher Hinsicht vom Mainstream der Familienaufstellung nach Hellinger unterschieden.

  1. Üblicherweise wird in der Familienaufstellarbeit dem Klienten/der Klientin Verweigerung unterstellt, wenn die Lösung nicht angenommen werden kann. Klient/Klientin wird dann in der Regel mit mehr oder weniger harten Worten kritisiert und die Aufstellung ungelöst abgebrochen.

Dieser Ansatz war durch meine Erfahrung als Trauma Therapeutin völlig ausgeschlossen. Aus meiner Sicht aktivieren sich erlebte Traumata in Familienaufstellungen. Eine Akut-Werdung findet statt – der Punkt zu möglicher Heilung findet sich. Ich als Therapeutin bin an dieser Stelle gefordert, meine Klientin/meine Klienten durch traumatherapeutische Kurzinterventionen (Atemtechnik, Körperarbeit, liebevolle Nähe usw.) so zu stabilisieren, das Handeln und ein Einlassen auf die Lösung möglich wird. Individuelle Heilung und Heilung des Beziehungssystems Familie gelingt.

  1. In der Regel findet Aufstellarbeit in Gruppen von ca. 20 Personen statt. Einige bringen ein Anliegen mit, das sie bearbeiten möchten, die anderen sind als Stellvertreter da. Häufig ergibt sich durch das Resonanzgesetz auch ein tiefe Klärungs- und Heilungserfahrung für die Stellvertreter.

Ein Beispiel: Ein Klient mit schwerstem Asthma wählt als Stellvertreter einen Mann, der mit einer immer wiederkehrenden asthmatischen Bronchitis zu kämpfen hatte (von der Erkrankung dieses Stellvertreters wusste niemand aus der Runde, die beiden Männer hatten sich vorher nie gesehen.) Die Aufstellarbeit ließ sich gut lösen, beide Männer husteten ca. 2 Minuten heftig – das letzte Mal. Diese Aufstellarbeit liegt jetzt mehr als 8 Jahre zurück. Ich weiß von Beiden, dass der Husten nie mehr aufgetreten ist.

Im Regelfall erzählt der Klient/die Klientin in der großen Runde vom Anliegen, vom Problem. Aus meiner Sicht ist dies unmenschlich für die betroffene Person. Es lenkt außerdem den Fokus der Stellvertreter in eine Richtung (Opfer-Täter- Solidarisierung) und verstößt außerdem gegen die Schweigepflicht.

Und ganz nebenbei: Neugier und Sensationslust will ich nicht befriedigen.

Aus diesen Gründen bespreche ich das Anliegen mit dem Klienten/der Klientin vorher zu zweit. Wir legen das Ziel fest. Das für uns beide stimmige gewünschte Heilungsergebnis wird für den Klienten/die Klientin spürbar gemacht und mit einem kinesiologischen Körperspeicher gesichert.

Ausgehend von diesem gewünschten Ziel, das bei der Aufstellarbeit aktiviert werden kann, finden dann die Stellvertreterwahl und die Aufstellung statt. Die Dynamiken ordnen sich energetisch in die gewünschte Heilungsrichtung.

  1. In der folgenden Zeit habe ich Stellvertreter in die Aufstellung gestellt, die ich nicht verbal sondern mental/energetisch benannt habe.

Der Vorteil dieser Vorgehensweise:

Wenn ich einen Stellvertreter z.B. in die Position der Krankheit stelle, entsteht durch die Meinung im Stellvertreter „wie sich die Krankheit zu verhalten  hat“ eine Tendenz die Stellvertretung mit dem Ego zu beeinflussen. Stellvertreter möchten das Beste, meinen es gut. Daraus kann sich ergeben, dass der Stellvertreter für die Krankheit nicht die wahre wirkliche Dynamik bewegt, sondern „gutwilliger weise“ sich entfernt. In der Meinung, die Krankheit geht dadurch weg.

Wenn der Stellvertreter in der Verstandesebene nicht weiß, wofür er steht ergibt sich aus der wesentlichen Ebene der Seele authentische und sehr oft überraschende Erkenntnis und Bewegung in die heile Richtung.

Auf diese Weise hat sich Krankheit in Aufstellungen bergend, liebend, sichernd, klärend, lenkend oder wohlwollend gezeigt. Als Lehrer/Lehrering, als hilfreiche Wegweisung für die Umsetzung der Bedürfnisse unserer großen, göttlichen Seele.

Mit anderen Instanzen, die ich aufgestellt habe ist es ähnlich. Der Krieg, der „die Schnauze voll hat“, Deutschland und Polen, die „sich wie Geschwister“ fühlen, die Gewalt, die sich hinter den Frieden stellt und sagt „wenn Du nicht handelst, muss halt ich – auch wenn ich nicht will“, der Tumor, der sagt „ich muss wachsen, sonst wird es wirklich gefährlich“.

  1. Im Laufe der Zeit habe ich wahrgenommen, dass unsere individuellen Probleme gleichzeitig eine stark wirksame kollektive Ebene haben.

Ein Beispiel: In meinen psychokinesiologischen Therapiesitzungen teste ich schon immer die Kraft der Identität. Dies betrachte ich als ein Basis-Kernthema, ohne dass sich andere Themen nicht klären lassen.

Meine Beobachtungen: Junge Mädchen und Frauen haben in den letzten 15 Jahren fast zu 100% mit kraftvollem Muskel (das kinesiologische „Ja“) auf das Thema Identität getestet.

Frauen von 25 bis 40 testeten zu ca. 60% positiv, d.h. bei 40 % musste daran gearbeitet werden.

Die 40 – 50 Jährigen zu ca. 50 % positiv.

Bei über 60 Jährigen bestand beinahe zu 100 % Behandlungsbedarf zu diesem Thema.

Bei Männern ist der Test zum Thema Identität in jedem Alter positiv – mit einigen wenigen Ausnahmen v.a. bei über 70-jährigen.

Diese kollektive Prägung zieht uns wie ein Gummiband in eine Problematik, die uns möglicherweise individuell nicht oder weniger tangieren würde.

Durch viele dieser Beobachtungen bewegt habe ich begonnen „Aufstellungen fürs Kollektiv“ zu machen (Selbstverständlich waren die Aufstellungen auch vorher neben der individuellen Wirkung kollektiv wirksam aber eben nicht mit diesem ausschließlichen Fokus)

In der großen Aufstellrunde mit ca. 20 Personen benenne ich das Anliegen ganz allgemein. Z.B. Es geht heute um die Heilung des Themas Medizin.

Ich spüre mich in die Lösung ein, und benenne mental/energetisch/rituell die Stellvertreter, die aus meiner Sicht beteiligt sein können. Üblicherweise bespreche ich das Thema vorher mit einen anderen in der Aufstellarbeit geschulten Person.

Nun werden die Stellvertreter aufgestellt und dürfen sich bewegen. Wie in einer „normalen“ Aufstellarbeit, nur ohne das Wissen wofür man steht.

In den vergangenen Jahren habe ich überraschende, beglückenden, heilende ich möchte fast sagen heilige Lösungen erlebt.

Hinterher, wenn die Lösung stimmt, decke ich die Hintergründe auf. Die Gruppe bespricht die Erkenntnisse und wir geben unsere Energie in die Umsetzung für die Menschheit.

Um diese Art von Aufstellarbeit handelt es sich bei der von Regina beschriebenen Aufstellung zum Thema „Schuld und Schuldgefühl“.